Sozialkapital in und durch eLSA

Sozialkapital in und durch eLSA
Information für eLSA-LandeskoordinatorInnen
Oktober 2007
Seit März diesen Jahres beschäftigt sich eLSA - eLearning im Schul-Alltag auch mit dem wichtigen Thema Sozialkapital (halbtägiges Seminar bei eLSA-Bundeslandkoordinationstreffen in Zell am See; Dr. Harald Hutterer).
Für die ganzheitliche Betrachtung aller Aktivitäten des Menschen hat sich in den letzten Jahren ein Modell mit fünf Kapitalformen - Sachkapital, Finanzkapital, Naturkapital, Humankapital und Sozial-kapital – entwickelt. Sowohl die OECD als auch die Weltbank sind in diesem Bereich aktiv. Beide Institutionen haben insbesondere die extrem hohe Bedeutung des Sozialkapitals erkannt.
Was ist nun Sozialkapital? Dazu sagt Ernst Gehmacher, der Sozialkapital-Beauftragte der Bundesregierung (gekürzt):
„Warum arbeitet jemand oder tut etwas für andere? Immer ist es ein innerer Antrieb, ein Gefühl, das einen dazu bewegt. Tätigkeitsfreude, Leistungsehrgeiz und Arbeitsmoral kommen von innen. Auf ihnen beruht aller Erfolg, alle Hilfsbereitschaft, Zuwendung und Zusammenarbeit.
Der neue Begriff Sozialkapital bezeichnet u.a. diese Kraft von innen, das Vertrauen in andere, die Beziehungen und auch die Regeln des Zusammenlebens. Die Menge der sozialen Gefühle, die für das Tun zur Verfügung steht – bei einem Menschen oder in einer Gemeinschaft – für das Arbeiten und für das Kämpfen, für das Lernen wie für den Spaß. Sozial sind jene Gefühle, die sich aus der Gemeinschaft ergeben, mit Nahestehenden und Bekannten, aus der Verbundenheit mit einem Verein, einer Glaubensgemeinschaft, einer Nation oder der Menschheit."
Die Sozialkapital-Forschung ist eine neue Wissenschaft. Sie befasst sich intensiv und erfolgreich mit der Messung des Sozialkapitals einzelner Personen und ganzer Gemeinschaften.
In den Untersuchungen zeigt sich, dass Menschen mit hohem Sozialkapital deutlich gesünder und glücklicher sind. Der Zusammenhang zwischen positiver Gefühlslage und seelischer und körperlicher Gesundheit ist eindeutig nachgewiesen. Es gibt bereits Beispiele in Bildungssyste-men, die das Glücklichsein zum Unterrichtsgegenstand gemacht haben: Harvard, Heidelberg und Wellington in Berkshire (GB).
In einem Workshop der eLSA-Verantwortlichen in Zell am See im März dieses Jahres ging es um Werte, Haltung und Sozialkapital. Ziel war es, in einem gemeinsamen Prozess eine auf ge-meinsamen Werten basierende Haltung zu finden und auf dieser Basis dem Projekt eLSA über den Ansatz "Sozialkapital" zukunftsorientiert und nachhaltig neue Tore zu öffnen. Die gemein-schaftliche Untersuchung des Wertesystems führte in sehr positiver Stimmung zu einer Haltung, die Freude bzw. Lust am Lehren und Lernen in den Mittelpunkt stellt.
Eine gerade für eLSA besonders wichtige Frage besteht auch in den speziellen Bedingungen für Sozialkapital im virtuellen Raum. Wie kann Blended Learning so gestaltet werden, dass es für die Steigerung von Sozialkapital optimal wirksam ist? Und wie wirkt sich die Steigerung von Sozi-alkapital auf die Gestaltung von Blended Learning aus?
In einem Projekt des bm:ukk wird soeben ein über das Web zugängliches Angebot erarbeitet, Sozialkapitalmessungen für Schulklassen durchzuführen. Es wird an einer benutzerfreundlichen Lösung mit direkter Rückmeldung des Ergebnisses gearbeitet. Dieses Angebot soll zu Anfang des Jahres 2008 zur Verfügung stehen.
Zur Vorbereitung wird es für LehrerInnen ein Skriptum geben und es wird auch eine Betreuung durch Sozialkapital-ModeratorInnen angeboten werden. Es gibt derzeit in Österreich 20 solche ModeratorInnen, 10 in Wien und 10 in Salzburg.
In späteren Ausbaustufen soll es dann möglich sein, das Sozialkapital der ganzen Schule auch unter Einbeziehung der LehrerInnen und der Eltern zu messen.
Ebenfalls in Vorbereitung ist eine Unterstützung auf Basis Sozialkapital für projektbezogene Arbei-ten (z.B. Gender-Thematik, Ökologieprojekte).
Im Bereich der diesbezüglichen Fortbildung wird an folgenden Projekten gearbeitet:
1. Sozialkapital-Einführung
Hier handelt es sich um eine eintägige Einführungsveranstaltung, die in den Bundesländern angeboten werden wird.
2. Lehrgang in Sozialkapital-Moderation
Hier geht es um einen speziellen dreiteiligen Lehrgang:
Einheit 1: Planung und Betreuung von Sozialkapital-Tests in Gruppen mit ForscherInnen.
Einheit 2: Mitwirkung bei der Planung von Sozialkapital-Messungen in spezifischen Grup-pen und Anpassung und Erweiterung der Fragebögen.
Einheit 3: Qualifikation als Sozialkapital-ModeratorIn, eigenständige Betreuung von Projek-ten im Rahmen der Richtlinien des OECD-Programms „Measuring Social Capi-tal".
3. Akademielehrgang (frühestens mit Schuljahr 2009/10)
Die Einführungsveranstaltungen wird es zum Start der Online-Messung geben. Der Lehrgang in Sozialkapital-Moderation wird nach Möglichkeit bereits im ersten Halbjahr 2008 angeboten werden. Die Erarbeitung und Etablierung des Akademielehrgangs wird naturgemäß noch etwas länger dauern.
In der Zwischenzeit wird das Thema Sozialkapital durch das bm:ukk beim Zusammenschluss von Partnerschulen praxisnah behandelt. Die dabei gewonnenen Erfahrungen werden in die zukünfti-gen Aktivitäten bei „Sozialkapital in und durch eLSA" einfließen.
Ersuchen des bmukk:
Sie werden in ihrer Eigenschaft als eLSA-LandeskoordinatorIn ersucht, die eLSA-Schulen ihres Bundeslandes auf die genannten Möglichkeiten aufmerksam zu machen und positiv zu bewerben.
Es ist beabsichtigt, den immer wieder nachgefragten Mehrwert von elearning/Blended learning im Schulalltag auch hinsichtlich der vermuteten Steigerung des Sozialkapitals einer eLSA-Klasse bzw einer eLSA-Schule meßbar und damit auch sichtbar zu machen.
Das eLSA-Netzwerk soll sich daher aktiv bemühen, diese Zusammenhänge aufzuzeigen.
Im Zusammenhang mit dem genannten OECD-Ansatz werden zunächst
• eLSA-Schulen gesucht, die an einem Einführungsvortrag interessiert sind;
• Lehrkräfte gesucht, die sich für das Thema interessieren und sich betreffend Messung von Sozialkapital an ihrer Schule ausbilden lassen wollen






