eLSA Harvesting


14 Jahre Erfahrungen mit eLSA

Gelingensbedingungen für E-Learning im Schulalltag

Dem kurz nach der Jahrtausendwende vom Bildungsministerium gestarteten Projekt eLSA („eLearning im Schulalltag“) gelang es immer, den Kopf über den Wolken und die Füße auf dem Boden zu behalten.

Die Vision von eLSA war und ist es, Bildung völlig neu zu denken und den Einsatz digitaler Medien nicht als Ersatz traditioneller Unterrichtsmethoden zu sehen, sondern mit ihrer Hilfe einem zeitgemäßen Bildungsbegriff zum Durchbruch zu verhelfen, um unserer Jugend einen erfolgreichen Weg in die Zukunft zu bahnen.

eLSA hatte immer die gesamte Schule mit allen Lehrenden und jedem Schüler/jeder Schülerin im Blickfeld. Die daraus etablierte Integration in die SQA-Entwicklungsbegleitung stellte sich dabei immer mehr als eine gelungene Symbiose heraus.

Die eLSA-Zertifizierungen und Rezertifizierungen waren für die Schulen Highlights auf ihrem Weg in die Bildungszukunft. eLSA Spin-Offs, wie z.B. eLSA advanced und KidZ (Klassenzimmer der Zukunft), unterstützten diesen Weg. Digikomp und Digicheck, beide aus dem eLSA-Bereich stammend, boten den Lehrenden die Möglichkeit, ihren Unterricht aufzuwerten bzw. einen Überblick sowohl über ihre eigenen als auch die Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen zu bekommen.

eLSA konnte mit den zur Verfügung stehenden materiellen und personellen Ressourcen keinesfalls unbegrenzte Wirkung erzielen.

Jedem wirtschaftlich denkenden Menschen leuchtet ein, dass selbstausbeuterischer Einsatz einiger Idealisten mit unzureichenden Ressourcen weder temporär noch auf Dauer das gesamte österreichische Schulsystem erreichen und “revolutionieren” kann.

eLSA hat sehr viele Lehrer/innen und Entscheidungsträger/innen erreicht.
Alle, die erreicht werden “wollten”. 

Die anderen von der Notwendigkeit zeitgemäßen Unterrichts zu überzeugen wird eine Herausforderung, der sich die Politik, auch mit dem Einsatz entsprechender Ressourcen, noch zu stellen hat.

Die Gretchenfrage dabei wird sein, ob man sich mit einer Minimalvariante begnügt, die lediglich eine Verbesserung geschönter statistischer Kenngrößen beinhaltet und die Schulrealität nicht abbildet, oder ob man erkennt, dass es ohne flächendeckende technische Ausstattung und elementar damit gekoppelter Lehrer/innenaus- und Weiterbildung - kaum durchgreifende Erfolge geben kann.

Von den Schüler/innen digitale Kompetenzen zu verlangen, ohne für zeitgemäße Kompetenzen der Lehrenden zu sorgen, ist paradox. Wie immer man es dreht und wendet, man wird erkennen müssen, dass man „aus einer Zitrone keinen Orangensaft pressen kann“.

In den folgenden Ausführungen möchte das eLSA-Bundesteam Gelingensfaktoren aufzeigen, welche unter den gegebenen Rahmenbedingungen für den Erfolg von eLSA an jenen Schulen, die sich gemeinsam auf den Weg machten, ausschlaggebend waren.

  • Es hat sich herausgestellt, dass die Schulleiter/innen ein entscheidender „Knackpunkt“ für die Umsetzung der eLSA-Ziele waren. Wenn sie eLSA als Teil eines Schulentwicklungskonzeptes verstanden haben, mit SQA-Zielen verknüpften und gemeinsam mit einem engagierten Team als „Learning Leaders“ voranschritten, dann konnte man an den Schulen wirkliche Fortschritte erkennen. Die Schulleiter/innen waren dabei natürlich auf Lehrende angewiesen, die bereit waren, an ihrer persönlichen Professionalisierung zu arbeiten und in Teams neue Ideen umzusetzen.

  • Eine eLSA Steuergruppe an der Schule, die jährliche Entwicklungspläne ausarbeitete und deren Fortschritt kontrollierte, spielte zusätzlich eine wichtige Rolle für die Weiterentwicklung der Schule.
  • eLSA-Zertifizierungen und Rezertifizierungen boten den Schulen die Möglichkeit, ihre Leistungen zu überprüfen und einem breiten Publikum zu präsentieren, dem meist Vertreter/innen der Schulaufsicht, Bürgermeister, eLearning-Fachleute und solche, die es werden wollten, angehörten. Bei solchen Anlässen wurde besonders deutlich, was an eLSA so wertvoll war: Die Wertschätzung jedes einzelnen und ein ganzheitliches Bildungsverständnis.  
  • Bundeslandeskoordinatorinnen und -koordinatoren sorgten mit ihrer Arbeit dafür, dass die Erfahrungen der einzelnen Schulen wieder ins System zurückflossen. Landes- und bundeslandlandübergreifende Vernetzungstreffen, die auch im Rahmen von eLSA advanced stattfanden und das Peer-Learning ins Zentrum stellten, wurden dabei besonders geschätzt. eLSA zeigte, dass Lehrer/innen auch in den Ferien mit großer Begeisterung zur Fortbildung bereit waren. Die alle zwei Jahre organisierte eLSA-Sommertagung am Ende der Ferien war eine bestbesuchte und sehr willkommene "Tankstelle" für den Start in ein neues Schuljahr.  
  • Im Rahmen all dieser Prozesse gab es Evaluationsmöglichkeiten, die ständig den großen Bedarf an Fortbildungsmaßnahmen aufzeigten. SchiLFs und SchüLFs, manchmal mit Schüler/innenbeteiligung, erwiesen sich meist als sehr wirkungsvoll, vor allem, wenn sie die (Fach-)Didaktik im Fokus hatten.
  • Verschiedene Kommunikationsforen  - von Moodle bis Facebook - , die eLSA Homepage, online Kurse und eLectures boten den Kolleginnen und Kollegen eine unkomplizierte und neue Möglichkeit, sich zu bilden, Anregungen zu erhalten, auf dem Laufendem zu bleiben und eventuell auftretende Probleme gemeinsam zu lösen.
  • Ein Einstieg ins eLearning ist für manche Kolleginnen und Kollegen eine große Herausforderung. Ihnen wurden gezielt versierte Lehrer/innen zur Seite gestellt, eine persönliche Betreuung hat so manche Hindernisse locker überwunden.
  • Eine zentrale Informationsschiene für eLSA und alle an eLearning Interessierte war der attraktiv gestaltete eLSA Newsletter.  Er bot Beteiligten aus den Schulen und Partnern aus Bildungseinrichtungen die Möglichkeit, Impulse und Anregungen “aus der Praxis - für die Praxis” zu vermitteln.

In Summe wird deutlich: wenn Schule sich als eine gemeinsam lernende Organisation versteht, dann war das der beste Boden für den Erfolg von eLSA.

  • Eine eLSA Schule hatte nicht nur den jeweils eigenen Standort im Fokus, sondern übernahm Verantwortung für das Gesamtsystem. Dazu gehörte auch ein positiver Zugang zu Diversität und die Fähigkeit, auf Ambiguitäten gut reagieren zu können.
  • eLSA predigte nicht „das Digitale“ als Selbstzweck. eLSA (er)lebte es als eine sinnvolle Möglichkeit mit der zunehmenden Vielfalt unserer Gesellschaft konstruktiv umgehen zu können.
  • Notwendige Flexibilität und Kreativität waren immer wieder besonders dort angebracht, wo die Rahmenbedingungen - z.B. bezüglich Ressourcen und Infrastruktur - nicht optimal waren.

Da es sich bei eLSA um keine „Ausstattungsinitiative“ handelte, konnte hier nur versucht werden, unter den gegebenen Bedingungen das Optimum herauszuholen. Der größte Hemmschuh war oft eine mangelhafte Infrastruktur bzw. Internetverbindung.

Weil eLSA eine schulartenübergreifende Initiative war, lernten alle Beteiligten die Stärken, aber auch die besonderen Herausforderungen anderer Schulen und Schularten kennen. Ein sehr wertschätzender Umgang miteinander war deshalb eine Selbstverständlichkeit. Es erleichterte das Verständnis dafür, dass alle an einem gemeinsamen Strang ziehen müssen, um das Beste für unsere Jugend herauszuholen.

Die Einbeziehung internationaler Erfahrungen durch das Bundesteam half dabei, das Rad nicht ständig neu erfinden zu müssen und Irrwege zu vermeiden. Im Rahmen von ThinkTanks und Sommertagungen wurde Austausch mit nationalen und internationalen Expertinnen und Experten gepflegt, um zukunftsweisende Strategien kennen zu lernen und zu entwickeln.

Abschließend kann gesagt werden, dass bei eLSA immer die Schülerinnen und Schüler und ihr Lernen und ihre Persönlichkeitsentwicklung im Zentrum aller Überlegungen standen:

Ihre Zukunft verdient unsere Aufmerksamkeit und unser Engagement.

 

Bildquelle: pixabay.com  CC0 Public Domain